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„ROB TOGNONI“ – Der TasMANische Teufel

Sonntag, 14.11.2010, 19:30 Uhr, im blues in Rhede

Robert John Tognoni wird 1960 in Ulverstone an der Nordwestküste Tasmaniens geboren. In seiner Kindheit kommt Rob mit Musik noch relativ wenig in Berührung – sieht man einmal davon ab, dass seine Mutter zu Hause viel singt und auf den städtischen Bühnen mit Pantomime-Shows als Al Jolson” auftritt. Tasmanien ist in den 60er Jahren in musikalischer Hinsicht weitgehend isoliert, und Blues nahezu ein Fremdwort – weißer Country und Gospel geben hier bis in die 70er den Ton an.

Um 1972 herum beginnen sich Robs Musikerfahrungen weiterzuentwickeln. Er hört bei seinen älteren Geschwistern Platten der unterschiedlichsten Genres – von B.B. King, Billy Thorpe and the Aztecs, Hendrix, Grand Funk Railroad, Tony Joe White bis zu Elton John und Slade ist alles vertreten. Rob macht dabei keine großen Unterschiede zwischen Blues, Rock und Pop. In seinen Ohren ist es einfach gute Musik – und alles davon hat seine Berechtigung.

Anfang 1974 erleidet Rob einen schweren Schicksalsschlag. Sein Vater, ein italienischer Immigrant, wird von einem Auto überfahren und ist auf der Stelle tot. Nur mit seiner Leidenschaft zur Gitarre kann sich Rob schließlich aus seiner Depression befreien.

Die Initialzündung in Robs Musikerleben – ein reiner Zufall. Mit 14 besucht er das Konzert einer relativ neuen australischen Band, die gerade über den Kontinent tourt und auch einen Abstecher nach Tasmanien macht – AC/DC. Er kann kaum glauben, was er dort hört. Das ist es! Diese unglaubliche Energie, diese powergeladenen Gitarren!

Rob beginnt sofort damit, die im Grunde simplen Powerchords – die berühmten Gitarrengriffe, die den typischen AC/DC-Sound ausmachen – als wesentlichen Bestandteil in sein Gitarrenspiel zu integrieren. Und einiges mehr verändert sich: Rob hat der Blues jetzt so richtig gepackt – eine starke musikalische Emotion, die ihn bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Jahre später charakterisiert ihn ein Journalist mit diesen Worten:

Rob könnte einer der besten Blues-Gitarristen werden, wenn man ihm nur Gelegenheit dazu gibt.

Die 70er: Rob übt und übt. So viel er kann, so lange er kann. Er ist begierig nach neuen Erfahrungen und saugt alles, was mit dem Thema Gitarre zu tun hat, wie ein Schwamm in sich auf. Er spielt Jamsessions mit Schulkameraden und jedem anderen, der dazu bereit ist. Auf die besorgte Frage seines Schuldirektors, was er denn später bloß einmal werden wolle, antwortet er schlicht und ergreifend: „Gitarrist“.

1976 verlässt er die Schule und schlägt sich mit den verschiedensten Jobs – u.a. als Einpacker im Supermarkt und als Baggerfahrer – durch.

1977 schreibt Rob seinen ersten Song „Jim Beam Blues“, der heute noch zu den beliebtesten Titeln bei Live-Auftritten zählt.

1983, ein Jahr nach der Heirat mit seiner Frau Leonnie und der Geburt von Töchterchen Anastasia, entschließt sich Rob, eine eigene Band zu gründen und seine eigenen musikalischen Vorstellungen als Songwriter und Gitarrist umzusetzen.

Beeinflusst von Hendrix, AC/DC und Bluesgrößen wie B.B. King gründet er die „Skidrow Boys”. Die Band ist heiß und tourt eine Zeit lang quer durch ganz Tasmanien. Nach zwei Jahren spürt Rob dann allerdings: Es reicht. Die Zeit ist reif für neue Erfahrungen. Er will sich weiterentwickeln – und beschließt, Tasmanien zu verlassen, um den Kontinent zu „bespielen“. Ein typischer Charakterzug: Seine Experimentierfreude und die Suche nach immer neuen musikalischen Möglichkeiten und Herausforderungen kennzeichnen ihn noch heute.

Im Herbst 1985 zieht Rob nach Melbourne und suchte sich einen sicheren Job bei einer ständig tourenden Coverband mit Top-40-Repertoire. Bald stellt sich allerdings heraus: Das ist nicht gerade Robs Ding. Er vermisst die Freiräume für sein individuelles Spiel und seinen künstlerischen Ausdruck – und sieht sich so schnell es geht nach einer Alternative um. Eine Möglichkeit ergibt sich bald darauf im australischen Bundesstaat Queensland – und dies bedeutet einen weiteren Umzug für Rob und Family.

Bis zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere hatte Rob ausschließlich Gitarre gespielt. In der von ihm neu gegründeten Band erwartet ihn dann eine spannende Herausforderung: Da kein passender Sänger gefunden wird, muss Rob selbst ran. Damit sind die „Outlaws“ komplett.

Ende 1986: Innerhalb von vier Monaten belegen die „Outlaws“ drei Kategorien auf den „20. Annual Queensland Rock Awards“ in Brisbane („Bester Gitarrist“, „Bester Drummer“ und „Beste Band“). Rob und seine Band ernten viel Anerkennung für ihren eigenständigen Stil und ihr hohes musikalisches Niveau. Dass sie ihren eigenen Weg gehen und sich den Trends der Plattenindustrie nicht beugen wollen, beschert ihnen außerdem eine schnell wachsende, begeisterte Fangemeinde.

Die „Outlaws”, im Herbst ’89 in Melbourne ansässig, erhalten eine Einladung von der zu dieser Zeit absolut angesagten australischen Kultband „The Angels” (Angel City), die schon die Guns ‘n’ Roses inspirierten. Robs Stück „I Got You – You Got Me” kommt prompt auf den neuen Sampler der „Angels“ („The Dogs are talking“). Gleichzeitig erscheinen „The Hurricanes“ und „Baby Animals“ mit auf dem 1990 veröffentlichten Album. Kurz vor dem Erscheinen ändern die „Outlaws” ihren Bandnamen noch in „The Desert Cats”.

Eine vierwöchige Tour durch Australien bringt den Bands ausverkaufte Häuser und Platz 7 in den australischen Mainstream-Charts ein. Der „Angel“-Sampler erreicht Gold-Status. Bereits davor hatte das Management bei Rob angefragt, ob er nicht zusammen mit Suze DeMarchi die Baby Animals gründen wolle – allerdings erfolglos. Rob glaubte zu sehr an seine eigenen musikalischen Visionen und lehnte das Angebot ab.

Die „Desert Cats” trennen sich schließlich – hauptsächlich ein Verschulden des schwachen Fremdmanagements. Rob unternimmt noch einen letzten Versuch, die Scherben zu kitten und die „Outlaws“ in neuer Besetzung wiederzubeleben, aber die Band wird von der Plattenindustrie nicht beachtet und löst sich 1992 endgültig auf. Immerhin können die Jungs zu diesem Zeitpunkt auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken, in deren Verlauf sie mit vielen namhaften Musikern wie Lonnie Mack, Joe Walsh und dem verstorbenen Roy Buchanan spielten.

Rob entscheidet sich, nach Queensland zurückzukehren. Mit der Akustik-Gitarre spielt er in den nächsten Jahren in Restaurants, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

„Ich lebte in Queensland und spielte in Restaurants, um mich über Wasser zu halten – nachdem ich jahrelang durch Australien getourt war, um einen langfristigen Plattenvertrag bei einem Label zu erhalten, das wirklich an mich und meine Musik glaubte. Eines Tages rief mich dann mein alter Kumpel Mark McCormack aus dem ca. 2000 km südlich gelegenen Melbourne an. Mark besaß ein Aufnahmestudio und fragte mich, ob ich nicht nach Melbourne kommen wolle, um kostenlos ein paar Songs einzuspielen. Er bezahlte mir sogar das Busticket.

Ich brauchte dringend noch zwei neue Stücke und schrieb innerhalb einer Woche „The Good Die Young“ (ein Stück über meinen tödlich verunglückten Vater) und ein fröhlicheres, bedeutungsloses Stück namens „Itty Bitty Mama”.

Telefonisch organisierte ich ein paar Freunde in Melbourne für die Session in Marks Studio. Wir spielten die Songs in zwei Tagen ein und ich fuhr zurück nach Queensland, das Aufnahmetape in der Tasche. Ich hatte ja immer schon einen starken Glauben an das, was ich tat, aber so langsam wurde ich müde, und die Hoffnung auf den großen Durchbruch schwand zusehends.

Zwei Jahre zuvor hatte ich Dave Hole im Fernsehen erlebt, einen australischen Gitarristen, den das US-Label Alligator Records unter Vertrag genommen hatte. Es war so aufregend gewesen zu sehen, dass jemand aus Australien den internationalen Durchbruch geschafft hatte – und er hatte ihn wirklich verdient. Ich schrieb ihm damals über den TV-Sender einen Brief, um ihn zu beglückwünschen. Und er antwortete.

In meiner Frustration erinnerte ich mich jetzt daran, packte eine Kopie meiner Kassette und Daves zwei Jahre alten Antwortbrief in einen Umschlag und schickte ihm das Ganze. Tatsächlich erinnerte er sich an mich und rief an. Er sagte, er würde in Kürze in Europa touren und versprach, das Band seinem europäischen Label vorzuspielen.

Zwei Monate später erreichte mich ein Anruf der Plattenfirma, die mir einen Vertrag anbot. Seitdem habe ich vier Alben in Europa veröffentlicht und bin jedes Jahr durch Europa getourt.

Ich überließ Mark (McCormack) die Tonarbeit am ersten Album und die Koproduktion am zweiten – und zahlte ihm das Geld für das Busticket zurück!“

Marks einstiger Wagemut hatte sich tatsächlich ausgezahlt. Schließlich arbeitete er auch am Sound von „Stones & Colours” mit und co-produzierte die CD „Headstrong“.

Offizielle Website: http://www.robtog.com

Abendkasse: 10,– €

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