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Wer macht mit …? – Alte Kinderspiele aus Westfalen

Die neue Sonderausstellung des Medizin- und Apothekenmuseum Rhede lädt vom 01.04.2012 bis 28.05.2012 zum Mitspielen ein.

Noch vor wenigen Jahrzehnten hörte man im Freien überall Kindergeschrei. Die Kinder waren ständig draußen, auf dem Hof, dem Spielplatz, dem Rasen zwischen den Mietshäusern, auf der Straße oder in Feld und Flur. Teures Spielzeug besaßen die meisten von ihnen bis in die 1960er Jahre nicht. Dazu fehlte ihnen das Geld.
In der Ausstellung werden Spiele gezeigt, die sich auch Kinder von Arbeitern, Handwerkern oder Bauern leisten konnten. Diese Kinder nutzten häufig Gegenstände des Alltags, aus denen sie selbst Spielgeräte herstellten. Man fand sie in der Natur, im Abfall, in Kellern oder auf Dachböden. Gekauft wurden nur sehr preiswerte Spielsachen. Größeres Spielzeug wie Puppenstuben, aber auch Gesellschaftsspiele, stellten Erwachsene für ihre Kinder oft selbst her.

Viele Familien lebten bis zum Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren mit zahlreichen Kindern in sehr beengten Verhältnissen. Eigene Kinderzimmer gab es selten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder – wann immer es möglich war – zum Spielen ins Freie gingen. Hier traf man sich mit vielen Freundinnen und Freunden zum Gummitwist, „Seilchenspringen“, Murmeln, Verstecken spielen oder Räuber und Schandit. Aus diesem letztgenannten Spiel ist auch der Titel der Ausstellung abgeleitet: Die Kinder im Münsterland zogen durch die Nachbarschaft und riefen laut „Wer macht mit, Räuber und Schandit“, wobei mit dem Schandit der Gendarm gemeint ist. Gespielt wurde häufig in großen Gruppen. 22 Spielkameraden waren keine Seltenheit, so dass man auch eine komplette Fußballmannschaft zusammenstellen konnte. Spiele im Freien konnten bis in die 1950er Jahre auch auf der Straße stattfinden, da es kaum Autoverkehr gab. Für Himmel und Hölle, Dopp oder Kreisel waren befestigte Straßen und Plätze bestens geeignet.

Einige Spiele konnte man das ganze Jahr über spielen, viele hatten aber ihre „Saison“.
Am ersten warmen Tag im Frühjahr trafen sich die Mädchen zum Bickeln, einem Geschicklichkeitsspiel mit Knochen, im Sommer bei großer Wärme waren Spiele mit Wasser angesagt und im Herbst ließ man Drachen steigen. Im Winter konnten die Kinder Schlittschuh laufen und Schneemänner bauen.
Nur bei äußerst widrigen Wetterverhältnissen wurde drinnen gespielt. Besonders beliebt war und ist das Verkleiden. Welcher Junge wollte nicht Ritter oder Indianer sein, welches Mädchen nicht als Braut oder edle Dame auftreten.

Es gibt in Westfalen hunderte dieser Spiele. Einige sind nur in bestimmten Regionen bekannt, andere werden in der ganzen Welt gespielt. Auch die Namen der Spiele und deren Spielregeln sind oft schon im Nachbardorf verschieden. Es gibt in der Ausstellung deshalb nur eine Auswahl an Spielen, die der Besucher zum Teil ausprobieren kann. Die meisten werden auch heute noch gespielt, andere sind inzwischen in Vergessenheit geraten.

Es gibt viele Sammlungen von Kinderspielzeug in Museen. Die meisten dieser Sammlungsstücke sind deshalb erhalten, weil sie einmal viel Geld gekostet haben. Die ehr einfachen Exponate dieser Wanderausstellung sind dagegen selten in Dauerausstellungen zu sehen. Die meisten lagern in den Museumsdepots oder sind Privatleihgaben.

In der Ausstellung sind über einhundert Exponate zu sehen. Besonders stark vertreten ist naturgemäß Spielgerät für das Frühjahr und den Sommer. Verschiedene Murmeln und Kreisel gehören ebenso dazu wie Knochen, die man für das Bickelspiel oder den Bau eines Schwirrers verwendete. Auch größere Exponate wie selbstgebaute Stelzen oder Teile einer Ritterrüstung sind ausgestellt. Für den Herbst stehen Drachen im Mittelpunkt der Ausstellung.  In der Abteilung Winter sind unter anderem ein Kastenschlitten und verschiedene Schlittschuhe zu sehen. Dass sogar Gesellschaftsspiele in Eigenarbeit hergestellt wurden zeigt unter anderem ein selbst gezeichnetes Monopoly-Spiel aus der Zeit um 1950 sowie aus Schiefer hergestellte Mühlesteine aus der Stadtarchäologie in Soest. Ein etwa 1000 Jahre alter Würfel aus Knochen ist das wohl älteste Exponat. Für den Bereich „Vom Vater gebaut“ stehen unter anderem ein Puppenhaus mit zahlreichem Zubehör sowie ein Modell eines Hühnerhauses mit Tieren aus der Nachkriegszeit.

Eine Besonderheit dieser Ausstellung ist, das man einige der Spiele während des Besuches ausprobieren kann. So kann man etwa einen Schwirrer ausprobieren, mit Murmeln spielen oder selbst einen Kreisel herstellen.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 01.04.2012 um 14.00 Uhr laden wir Sie und Ihre Familie herzlich ein.

Wir freuen uns, dass Herr Ulrich Neseker vom LWL-Museumsamt die Eröffnungsrede übernehmen wird.

Am Nachmittag der Eröffnung lädt das Museum vor allem Kinder ein, viele Spiele der Ausstellung auch auszuprobieren. Für die Eltern und Großeltern wird Kaffee und Kuchen angeboten.

Das Medizin- und Apothekenmuseum ist von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.

Der Eintritt beträgt 3,00 € und ermäßigt 1,50 €.

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